Die Experton Group bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der gestrigen „Expertonale 2010“ für die gelungene Veranstaltung und die anregenden Diskussionen
Im Hessischen Hof in Frankfurt tauschten sich über 100 CIO’s und IT-Entscheider der führenden Hersteller zu den wichtigen Strategie- und Wachstumsthemen der Branche aus. So zeigten unter anderem die Senior Advisor Steve Janata und Dr. Carlo Velten die Wachstumstreiber des Cloud Computing auf, die sich aus den Consumer-Trends für die Enterprise-IT ergeben. Dr. Hellmuth Broda illustrierte, wie das Thema Web 2.0 die Kommunikation im Privaten und in den Unternehmen revolutioniert. In den nächsten Tagen erhalten die Teilnehmer Zugriff auf alle Präsentationen.
Experton Group freut sich über die durchweg positive Resonanz und hofft, dass Anwender wie Anbieter aus Vorträgen und Expertengesprächen viele Anregungen mitgenommen haben.
Office 365 = BPOS + Office Web Apps + Office Professional Plus Office 365 = Exchange Online + Sharepoint Online + Lync Online + Office Web Apps + Office Professional Plus Office 365≠ “we are all in”
Microsoft stellte am 19. Oktober die neue Generation der Online Services vor. Experton Group Senior Advisor Axel Oppermann fasst zentrale Eckpunkte der Ankündigung zusammen inklusive einer kurzer Kommentierung. Ausführliche Analysen finden Sie in den kommenden Wochen in den Newslettern der Experton Group. Unter der neu kreierten Dachmarke “Office 365” sollen ab 2011 (wahrscheinlich bereits im ersten Halbjahr) die unter dem Begriff BPOS (Business Productivity Online Suite) erfolgreich am Markt positionierten Services weitergeführt werden. Während BPOS noch auf den 2007er Produktgenerationen von Sharepoint und Exchange basiert(e), wird Office 365 auf der 2010er Generation aufbauen. Zentrale Bestandteile sind neben Exchange Online, SharePoint Online sowie Lync Online insbesondere Office-Komponenten. Hierzu zählen wahlweise OfficeWeb Apps oder Office Professional Plus. Zu einem späteren, nicht näher benannten Zeitpunkt, soll CRM Online diese Services noch ergänzen. Unterschiedliche Produktbündelungen sollen sowohl Kleinstunternehmen, den Mittelstand und Großunternehmen ansprechen. Der modulare Ansatz ermöglicht einen leichten Einstieg. Bereits ab ca. 5 Euro pro Anwender und Monat können Unternehmen ihre Mitarbeiter mit weitreichenden Funktionalitäten ausstatten.
Erstes Fazit
Office 365 ist eine weitere, klare Stellungnahme und Positionsbestimmung von Microsoft in Richtung Cloud Computing. Das vorgestellte Angebot erfüllt jedoch das selbst ausgegebene Credo „weare all in“ nicht umfassend. So wird die „Option“ Office Professional Plus zwar voll in die Cloud integriert, benötigt aber noch eine Installation auf dem Client. Auch wenn für den deutschen Markt noch nicht alle Einzelheiten kommuniziert wurden, sollten sich IT-Entscheider frühzeitig mit den neuen Angeboten beschäftigen. Neben einer Validierung von weiteren Online-Angeboten wie exemplarisch Google oder IBM, gilt es, die aktuelle Lizenzsituation im eigenen Unternehmen mit der Client-Strategie abzugleichen. Während die Vorteile der Online Versionen von Sharepoint, Exchange und Lync sicherlich die Bedarfe der breiten Masse treffen werden, gilt es, für den Bereich der Office-Applikationen eine vertiefende Analyse vorzunehmen. So muss beurteilt werden, ob das Subskriptions-Modell für Office Funktionalitäten über Office 365 mit den klassischen Bezugsmodellen und Laufzeiten, und den damit verbundenen Kosten-/Nutzenszenarien, einhergeht.
Hintergrund Microsoft spielt schon seit längerer Zeit noch nicht mal mehr die „zweite Geige“ im Markt für mobile Betriebssysteme (mobile OS). Dabei sind mobile Geräte ein zentrales Element in der „Drei-Bildschirm-Strategie“ von Microsoft und einer der zentralen Wachstumsmärkte der IT- und TK-Industrie. In den Anfangsjahren mussten sich die Plattformen von Microsoft, denen durch Nokia dominierten Symbian-Systemen geschlagen geben. In den letzten Jahren hinken MS-Plattformen in Punkto Marktdurchdringung und Image den Systemen von RIM (Blackberry), Apple und sogar Google hinterher. Die Gründe hierfür sind zahlreich. So bemängeln Anwender die wahrgenommene Leistungsfähigkeit der Geräte – also Hardware und Betriebssystem - hinsichtlich Funktionalität (Performance) und Bedienkomfort (Usability). Ein weiterer Grund für das aktuell schlechte Abschneiden ist jedoch auch sicherlich das unglückliche Marketing im Rahmen der Markteinführung von Windows Mobile 6.5 mit der gleichzeitigen Ankündigung von Windows Phone 7.
Diese negative Entwicklung soll sich nun im Herbst 2010 nachhaltig ändern. Microsoft nimmt Anlauf für einen Neustart im Markt für Smartphones. Mit Windows Phone 7 will das Unternehmen verlorenes Terrain im boomenden Markt zurückgewinnen. Die neue mobile Plattform wurde am 11. Oktober 2010 zeitgleich auf Pressekonferenzen in New York, London und Hamburg vorgestellt. Experton Group Analyst Axel Oppermann gibt eine erste kurze Einschätzung des neuen Betriebssystems und trifft Ableitungen.
Zielgruppe Privatanwender Im Rahmen der Produkteinführung zielt Microsoft verstärkt auf den Privatanwender ab. Dabei bietet die neue Plattform mit der Integration von XBOX Live und dem Player „Zune“ zwei starke Argumente für den Privatanwender.Auch der übersichtliche und wirklich sehr einfache Zugriff auf alle wichtigen Aufgaben und Informationen, wie beispielsweise E-Mails oder Aktualisierungen aus sozialen Netzwerken, wodurch der Aufwand für tägliche Routineabfragen deutlich verringert wird, sind klare Differenzierungsfaktoren zum Wettbewerb. Jedoch legen viele Privatanwender neben Funktionalitäten auch einen gewissen Wert auf die Produkteigenschaft „Image“ undwollen wie z.B. beim ersten iPhone einen „Wow-Effekt“ erleben. Beides fehlt im Umfeld des Windows Phone 7. Solange diese „weichen“ Faktoren nicht nachhaltig befriedigt werden, ist ein schneller, durchdringender Erfolg im Privatsegment fraglich. Auch spricht das angestrebte Preissegment der ersten Devices nicht für einen überdurchschnittlichen Erfolg im Privatsegment. Während die OEMs zunehmend „Billig-Smartphones“ mit Android am Markt anbieten, sind die Windows Phone 7 Geräte der ersten Stunde eher im mittleren bis oberen Preissegment zugeordnet.
Zielgruppe Business-User Ein weiteres, wichtiges Zielsegment sind die Business-User. In diesem Segment werden nicht nur Office-Lösungen benötigt, sondern vielmehr eine Integration in LOB-Lösungen (Line of Business) nachgefragt. Für beide Szenarien ist Windows Phone 7 gerüstet. Von Hause aus integriert ist der Office Hub, wo Anwender Word-, Excel- oder PowerPoint-Dateien ansehen, und auch bearbeiten können. Auch der mitgelieferte SharePoint Client ist eine reine Businessfunktionalität, die über eine nahtlose Integration die Arbeitsabläufe unterstützt. Ferner ist auch die wahrscheinlich am stärksten unterschätzte Komponente im Office-Paket enthalten - die OneNote Applikation. Auch hier sind unterschiedliche Synchronisierungsmöglichkeiten – wie exemplarisch über Skydrive – möglich.Die Optionen für dynamische Aktualisierungen aus unterschiedlichen Quellen wie z.B.Microsoft Outlook sowie die Verbindung von Windows Phone 7 zu der Microsoft Exchange Server E-Mail- und Collaboration-Software oder zu Microsoft Exchange Online runden die Funktionalitäten ab.
Multiplikatoren: ISVs, Telcos und OEMs Microsoft hat eine Vielzahl von namhaften Hardwarestellern gewonnen (HTC, LG, Dell, etc.), welche die Software-Plattform auf ihren Geräten nutzen möchten. Auch sind die großen Telekommunikationsprovider mit an Bord. Es bleibt jedoch abzuwarten, welche Rolle das Betriebssystem in der Portfolio-Planung dieser Unternehmen einnehmen wird. Microsoft gibt – richtigerweise - klare Anweisungen und Vorgaben in Bezug auf technische Ausstattung der Geräte. Jedoch engen diese Vorgaben die OEMs massiv ein und erschweren die Positionierung am Markt, da es kaum Chancen für die Etablierung von Alleinstellungsmerkmalen gibt. Es ist davon auszugehen, dass sich die OEMs sehr opportunistisch verhalten werden. Im Gegensatz zum PC-Markt haben sie hier alternative Möglichkeiten, ihre Hardware mit leistungsfähigen und vom Markt akzeptierten Betriebssystemen zu bestücken. Gelingt kein zeitnaher Erfolg, werden diese OEMs die Microsoft-Werbemillionen „abgreifen“, und auf Alternativen setzen. Gleiches gilt für die Provider. Diese wollen am liebsten Neukunden vom Wettbewerb gewinnen und den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer erhöhen. Auch hier ist das iPhone das Maß der Dinge.
Noch viel wichtiger für den Erfolg der neuen Plattform sind neben den OEMs insbesondere die Entwickler – und hier die professionellen ISVs. So liegt eine der wesentlichen Herausforderung für Microsoft im Zusammenhang mit der Markteinführung insbesondere in der Gewinnung von Entwicklungspartnern für die Plattform. Hierbei geht es jedoch weniger um die aktuell sehr populären „Apps“ mit oftmals begrenztem Nutzen, welche von Hobbyisten oder professionellen Entwicklern entwickelt werden. Vielmehr geht es um die Integration von Geschäftsanwendungen und Office-Lösungen auf die Plattform. Insbesondere hier kann Microsoft – gegenüber Apple und Google – die Stärke der langjährigen Partnerschaften zu ISVs und das wohl professionellste Developer-Management ausnutzen, und einen echten Mehrwert für Anwender und Partner liefern. Szenarien, die eine mobile Anbindung an (exemplarisch) Sharepoint ermöglichen, werden das Arbeiten kollabortiv-orientierter Unternehmen bzw. Menschen nachhaltig verändern.
Für ISVs ist insbesondere der vergleichbar geringe Anpassungsaufwand bei bestehenden Applikationen ein zentraler Grund, sich für die Microsoft-Plattform zu entscheiden. So sind bei bestehenden Anwendungen Anpassungen von ca. 30 Prozent des Codes wahrscheinlich, bei Applikationen die gleichzeitig für PCs und WP7 entwickelt werden, soll der zusätzliche Aufwand - laut Aussagen von Microsoft – sogar nur bei 10 Prozent liegen.
Fazit Microsoft hat mit dem Windows Phone 7 seine Leistungsfähigkeit und Innovationskraft in diesem Themenfeld ernsthaft unter Beweis gestellt, und liefert mit dem Windows Phone 7 eine starke Antwort auf die aktuell am Markt existierenden Angebote der „Platzhirsche“. Es werden sich sicherlich Privatanwender als auch Business-User mit dem Konzept angesprochen fühlen.Ob diese, am Reißbrett geplante Lösung, und mit der geballten Marketingmacht eines weltweit erfolgreichen Softwareherstellers in den Markt getriebenen Plattform auch ein „Gassenhauer“ wird, bleibt jedoch abzuwarten. Mit dem starken Fokus auf Privatanwender soll auch ein rascher Siegeszug im Business-Segment gelingen. Microsoft verfolgt hierbei die Marketingstrategie „Consumerization of IT“. Gemeint ist die Tendenz, dass viele Mitarbeiter IT-seitig im Privatbereich besser ausgestattet sind als am Arbeitsplatz durch ihre Arbeitgeber. Mit Macht drängen insbesondere die „VIP-“ und „Lead-User“ darauf, ihre eigene Ausstattung mit in die Firma zu bringen oder auf eine entsprechende Bereitstellung am Arbeitsplatz. Dieser Ansatz ist nicht neu - Microsoft verdrängte mit diesem Konzept erfolgreich das seinerzeit sicherlich bessere Produkt „WordPerfect“ zu Gunsten Word 4.0. Bedingt durch die Marktdurchdringung verzichtete Microsoft im Laufe der Jahre jedoch auf diesesKonzept. Mit der Widerbelebung dieser Strategie im Rahmen der Markteinführung von Windows Phone 7 tut sich Microsoft mutmaßlich keinen Gefallen. Microsoft wird sicherlich nicht in einem solchen Umfang schnell Marktanteile im Privatsegment gewinnen, um kurz- bis mittelfristig die Transformation zum Business-User maßgeblich stimulieren zu können. Hierfür ist der reale und wahrgenommene Vorsprung von Google/Android oder Apple aktuell zu groß. Der Erfolg von Windows Phone 7 lässt sich kurzfristig für Microsoft nicht nur in der Anzahl an ausgelieferten Geräten oder Marktanteilen beziffern. Zentraler Aspekt wird sein (und dies gilt für Privat- und Geschäftsanwender), dass sich Microsoft mit dem Windows Phone 7 in den Köpfen der Anwender als ein leistungsfähiger Plattformanbieter verankert. Es ist festzustellen, dass der Nutzen der Plattform nicht nur in der Kombination von Software und Hardware (also dem Gerät) liegt, sondern vielmehr in der Integration von Services. Diese werden – ganz nach dem neuen Leitgedanken von Microsoft über die Cloud bereitgestellt. Die starke Integration in diese ganzheitlichen Szenarien bildet das zentrale Alleinstellungsmerkmal von Windows Phone 7. Die teilweise fehlenden Funktionalitäten – insbesondere für Anwender im geschäftlichen Umfeld – werden in definierten Zyklen nachgeliefert.Bei IT-Entscheidern und Administratoren stehen jedoch weitere Anforderungen im Mittelpunkt. Hierzu zählen neben Management- und Sicherheitslösungen auch Deployment-Konzepte. Diese Anforderungen kann die neue Plattform noch nicht umfassend erfüllen. Somit kann die Aussage getroffen werden, dass das Windows Phone die Anforderungen des IT-Managements nicht erfüllt, und somit noch nicht „Enterprise ready“ ist.
Entscheider in Anwenderunternehmen sollten sichfrühzeitig und nachhaltig mit der Plattform Windows Phone 7 beschäftigen und tiefgreifend prüfen, in welchem Umfang eine Integration in die vorhandenen Infrastrukturen wertvoll ist, und welche Bedarfe der Anwender im Unternehmen mit diesem integrierten Konzept aus Hardware, Software und Services (Cloud) hierdurch befriedigen kann. Anwendern im geschäftlichen Umfeld wird durch die integrierten Office-Komponenten und die zusätzlichen Möglichkeiten der LOB-Integration ein starkes Instrument an die Hand gegeben. ISVs können ihr Portfolio – vergleichsweise einfach – auf das mobile OS ausbauen, und so zusätzliche Umsätze erzielen.