Telefonieren in der Cloud –
Wie Google sich gegen die etablierten Telekommunikationsunternehmen in Stellung bringt
Telefonieren in der Cloud - der Internetriese
Google erweitert seine Webdienste nun auch in Richtung Internettelefonie. Während in vergangenen Jahren die Telefonie nur von Internetanschluss zu Internetanschluss via GoogleMail möglich war, können nun auch Telefonate vom Internet aufs Festnetz oder Handy realisiert werden.
Zugegeben, ganz neu ist dieses Konzept nicht,
Skype bietet bereits seit einigen Jahren eine ähnliche Lösung an. Der Vorteil von Google ist jedoch die Kombination des neuen VoIP-Dienstes mit den bereits existierenden Web-basierten Services
GoogleApps,
GoogleDocs,
GoogleMail, etc. Nun kann man von einer Plattform, mit nur einer Anmeldung, auf alle diese Dienste zugreifen. Dies macht die Internet-Telefonie von Google auch für Business-Anwender attraktiv, welche bisher mangels Multifunktionalität nur zögernd auf die Internettelefonie von Skype umgestellt haben.
Für den Konkurrenten Skype, der mit 560 Millionen Nutzern marktführende Cloud-Telefonieanbieter (VoIP), kommt diese neue Google Funktion zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Gerade von der Muttergesellschaft
Ebay gekauft, strebt der neue Eigentümer, die Investmentgesellschaft
Silver Lake, jetzt den Börsengang für Skype an. Die benötigten Unterlagen sind bereits an die US-Börsenaufsicht SEC eingereicht worden, die Konditionen wie zum Beispiel der Ausgabepreis der Aktien stehen jedoch noch nicht fest. Fraglich ist, ob mit der Konkurrenzsituation mit Google die angestrebten 100 Millionen US Dollar über die Veräußerung von Konzernaktien erlöst werden können.
Noch unklar ist die Einführung des Dienstes auch für den europäischen, bzw. deutschen Markt. Obwohl die Call-Phone-Funktion in einigen Google-Mail Postfächern in Deutschland angezeigt wird, ist der Dienst vorerst nur in den USA und Canada freigeschaltet. Testweise ist dort die Videotelefonie innerhalb der beiden Länder bis Ende 2010 kostenfrei und lässt die ansässigen Telekommunikationsunternehmen schwitzen. Sicher ist jedoch: Falls sich diese Funktion über den Globus ausbreiten sollte, wird nicht nur der direkte Konkurrent Skype den Druck des Internetriesen zu spüren bekommen, sondern auch deutsche Telekommunikationsanbieter. „Die Kombination aus guter Usability, aggressiven Preisen und einer Nutzerbasis, die mehrere Milliarden User umfasst macht Google auch im Markt für Telekommunikation zu einer ernsthaften Gefahr für etablierte Anbieter“, kommentiert
Dr. Carlo Velten, Senior Advisor der
Experton Group.
Selbst im Markt der Geschäftskunden (B2B) hat der neue Dienst in Zukunft großes Wachstumspotential, sofern Google mit seinen Software-as-a-Service Angeboten (GoogleApps) bei großen Anwendern Erfolg hat. Durch den Dreiklang aus GoogleApps, dem mobilen Betriebssystem „
Android“ und den Telefon- und Videokonferenz-Services macht Google auch dem Marktführer
Microsoft bei den integrierten Collaboration-Lösungen für Mittelständler und Großunternehmen Konkurrenz.
Ob die privaten Nutzer vor dem Hintergrund der heutigen Datenschutzdebatte und stark gesunkener Telefonpreise massenhaft zu Google-phone wechseln, bleibt abzuwarten. Speziell die Möglichkeit die Telefonverbindungen und Inhalte zu Werbezwecken zu analysieren ist vielen Nutzern suspekt.
Nach Ansicht der Experton Group ist Googles Vorstoß als Frontalangriff auf die etablierten Telekommunikationsunternehmen zu verstehen, die ihre Rolle in der neuen „Cloud-Welt“ noch nicht gefunden haben. Senior Advisor
Steve Janata konstatiert: „Auch wenn Google mit diesem Dienst auf absehbare Zeit noch keine signifikanten Umsätze generieren wird, so ist klar, dass sich die Wettbewerbslandschaft im ICT-Markt mit Eintritt von Google nachhaltig ändern wird.“